NEO RAUCH - GLEICHGEWICHT

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Neo Rauch (Leipzig, 1960) gilt als einer der wichtigsten Künstler seiner Generation.

Am Ende des 20. Jahrhunderts trug er entscheidend zur Neupositionierung der Figuration in der Malerei bei. Jahrhunderts entscheidend zur Neupositionierung der Figuration in der Malerei bei. In einer Zeit, in der Abstraktion und Konzeptkunst den Diskurs beherrschten, entschied er sich für eine radikal autonome, rätselhafte Bildsprache, in der erzählerische Fragmente, historische Anklänge und Visionen zusammenfließen.

Seine Werke sind die Bühne eines eigenen Universums, das von Figuren bevölkert wird, die zu handeln, zu warten, zu konstruieren oder in eine Welt einzugreifen scheinen, die zugleich erkennbar und verfremdet ist. Es handelt sich nicht um Abbildungen der Realität, sondern um autonome Konstellationen, in denen Erinnerung, Vorstellung und historische Resonanz zusammenfallen.

GLEICHGEWICHT | BALANCE

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Rauch studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

Dort wurde er u.a. von Arno Rink ausgebildet. Sein Werk zeigt Affinitäten zum Surrealismus und zur visuellen Populärkultur und entwickelt sich im Laufe der Jahre zu einem eigenen Universum, in dem sich Zeitebenen und Perspektiven überlagern. Der internationale Durchbruch bei der Armory Show in New York im Jahr 1999 markierte einen Wendepunkt. Seitdem wurde sein Werk weltweit ausgestellt, unter anderem im Metropolitan Museum of Art, im Palazzo Pitti, in der Pinakothek der Moderne und im BOZAR. In seinem Kielwasser erlangte auch die Leipziger Malerei internationale Sichtbarkeit.

Seitdem gilt Rauch als eine zentrale Figur der zeitgenössischen figurativen Kunst. Sein Werk, das in Mitteldeutschland verwurzelt ist, aber weltweit gesammelt und gezeigt wird, hat der figurativen Malerei eine neue Aktualität verliehen.

DER GRAPH ALS UNABHÄNGIGER BEREICH

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Von herausragender Bedeutung ist, dass Rauch bereits seit 1988 ein umfangreiches grafisches Oeuvre aufgebaut hat.

Diese Arbeiten bilden einen eigenständigen Bereich, in dem sich Motive verdichten, narrative Strukturen zugespitzt werden und Kompositionen eine hohe Konzentration erreichen.

Die Grafiken zeigen, wie sich seine Bildsprache in unterschiedlichen Stadien artikuliert, von frühen Blättern, in denen sich die Figuren noch in einer Wachstumsphase zu befinden scheinen, bis hin zu späteren Arbeiten, in denen sich die charakteristischen Konstellationen voll herauskristallisieren. Die Reduktion auf Linie, Kontrast und Fläche verleiht dem Bild eine besondere Intensität und Schärfe.

Die Ausstellung im Museum De Reede zeigt diesen grafischen Werdegang von 1988 bis 2026 in außergewöhnlicher Ausführlichkeit. Die fünf großformatigen Ölgemälde auf Papier fungieren als Ankerpunkte innerhalb der Ausstellung und verbinden grafisches Denken mit monumentaler Malerei.

GLEICHGEWICHT

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Der Titel "Gleichgewicht" bezieht sich nicht auf Harmonie im klassischen Sinne, sondern auf ein prekäres Spannungsfeld. In Rauchs Werk ist das Gleichgewicht nie statisch. Figuren befinden sich auf Bruchlinien, zwischen Aktion und Stille, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Ordnung und Unordnung.

Gerade in der Grafik wird dieses Gleichgewicht deutlich sichtbar: in den Linien, in der Komposition und im konzentrierten erzählerischen Kern. Die Ausstellung zeigt, wie dieses Gleichgewicht seit 1988 gesucht, gefunden, untergraben und neu formuliert wurde, in einem Werk, das der Figuration dauerhaft eine zentrale Stellung in der zeitgenössischen Kunst verschafft hat.

Ausstellung 19. Juni 2026 bis 19. Oktober 2026

Das gesamte grafische Werk der Ausstellung ist eine Leihgabe der Grafikstiftung Neo Rauch in Aschersleben, der Stadt, in der Rauch aufwuchs. Seit 2012 wird dort systematisch an der Dokumentation und Präsentation seines gesamten grafischen Werks gearbeitet. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, alle Editionen möglichst vollständig zu sammeln und zeigt ein Ausstellungsprogramm mit Arbeiten von Neo Rauch und verwandten Künstlern.